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Meditativer Tanz



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Das weibliche und das männliche Dreieck

In einer Vision schaute ich einem Mann und eine Frau. Auf dem Mann standen die Worte 'Licht, Intellekt' und auf der Frau 'Liebe, Intuition'. Ihr Verhältnis war voller Spannung, und ich sah sogar Hass und Feindschaft. Dann lag die Frau ergeben am Boden, und der Mann trat auf ihr herum und putzte sich die Füße an ihr ab.

Eine Stimme sagte: 'Erhebe dich, o Frau. Sei dem Manne nicht so ergeben, denn bist du nicht seine Gefährtin? Sollt ihr einander nicht ergänzen und so in Einigkeit und Harmonie eins werden'? Der Mann mußte die Stimme gehört haben, denn ich sah ihn neben der Frau niederknien und sie sanft aufheben. Er zog ihr das schmutzige Gewand aus und ein rein weißes an.

Dann sah ich, wie zwei große Hände den Mann und die Frau ergriffen und zu einem einzigen Klumpen formten, als seien sie aus Lehm. Die Hände warfen den Tonkloß auf eine Töpferscheibe und machten ein wunderschönes Gefäß daraus. Ich schaute zu, wie es ins läuternde Feuer gestellt wurde. Als es wieder herausgenommen wurde, glänzte es wie die helle Sonne. Es war so schön, daß nur Gottes Hände es geschaffen haben konnten.

Jetzt sah ich aus dem Gefäß Blumen aller Farben und Formen wachsen. Mir wurde klar, daß das geschehen konnte, wenn nichts Trennendes mehr zwischen Mann und Frau stand, zwischen Licht und Liebe, Intellekt und Intuition. Ewigen Frieden und Wohlgefallen wird es nur geben, wenn sie zu eins verschmelzen.[1]

Vision von Eileen Caddy – Findhorn Gemeinschaft





Das Dreieck stellt eine außerordentlich dynamische Figur dar, in der unsere Bezogenheit ausgedrückt werden kann. Es bildet eine Balance, bei der sich Dynamik (Punkt) und Statik (Gerade) die Waage halten.

Die Gerade mit dem Symbolwert der 2, drückt die Scheidung, die Unterscheidung oder Teilung der einen Wirklichkeit in die grundsätzliche Zweiheit von Subjekt und Objekt aus, ein Prozess, der sich unendlich fortsetzt in der Bildung von Polaritäten wie hell - dunkel, vorwärts - rückwärts, sich öffnen - sich verschließen. Die objektive Wirklichkeit wird subjektiv in ‘Gut’ und ‘Böse’ unterteilt und bewertet. Solange wir uns auf der Ebene der Polarität bewegen erkennen wir die Polarität nicht, sondern sehen nur unseren eigenen Standpunkt.[2]

Erst wenn wir unseren eigenen Standpunkt verlassen und die Ebene der Polarität überwinden, wird aus der 2 eine 3, aus der Geraden ein Dreieck. Von dem dritten Punkt aus können wir die beiden entgegengesetzten Punkte betrachten und sie so wertfrei als Pole erkennen. Erst die durch diesen Schritt ermöglichte Erkenntnis führt uns zum Wachstum und läßt damit Verwandlung zu. Verwandlung führt dazu, daß wir so werden, wie wir von der Schöpfung angelegt und gemeint sind.

Im Dreieck stehen heißt sich auf etwas hin entwerfen, das über das hinausweist, was ich zur Zeit darstelle.



Entsprechend der unterschiedlichen männlichen und weiblichen Wesensart sind für die Überwindung der Polarität unterschiedliche Wege möglich, welche durch das männliche und weibliche Dreieck ausgedrückt werden. Das männliche Dreieck weist mit der Spitze nach oben und setzt seine Dynamik nach oben, nach außen frei, im Gegensatz zum weiblichen, welches von der Basis gehalten, mit der Spitze nach unten weist, also zur Erde, zur Tiefe.



Das männliche Dreieck ist ein spannungsgeladenes Dreieck, dessen Energiestrahlen nach oben weisen. Die Dynamik der männlich schöpferischen Kräfte weist in seiner Wirkung nach außen. Es ist die Kraft, die alles entstehen, wachsen und reifen läßt. Das Symbol des männliches Dreieck ist das Feuer mit der Neigung zu einer aktiv-schöpferischen Unruhe.

Das Streben die irdisch bedingte Polarität zu überwinden erfolgt im geistig-transzendenten Bereich. Dabei gilt es die subjektive Sicht der Dinge (‘Gut’ und ‘Böse’) zu überdenken, neu zu bewerten und zu verwandeln; die in den Schatten verdrängte Sicht ins Licht zu bringen.

Das intensive Streben über alles Irdisch-Bedingende hinaus, birgt jedoch auch die Tendenz aus irdischen Bindungen auszusteigen, zugunsten reiner Geistigkeit und Religiosität, wobei es zu Mangel an Bezogenheit im mitmenschlichen Bereich kommt.[3]



Das weibliche Dreieck weist von der Horizontalen, der Bewußtseinsebene, zur Tiefe hin, zur Erde, zur Körperlichkeit und zur Natur. Dabei erschließt sich die dem Leben innewohnende Tiefe, welche mitten im Leben erfahren und ausgelotet wird.

Das Symbol des weiblichen Dreiecks ist das Wasser, das Elixier des Lebens, welche die Dinge zum Fließen bringt. Es ist die Kraft, die alles wieder einem Ende zuführt und einen Neuanfang bewirkt.



Das Dreieck ist auch ein Symbol der weiblichen Trinität, der dreifaltigen Göttin mit den Aspekten der jungfräulichen Frühlingsgöttin, der Göttin des Sommers und der Lebensfülle, die mitten im Leben steht und der Göttin des Herbstes, der Wandlung und des Todes.

Die Frau, die sich auf diese weibliche Kräftedreiheit bezieht, ist zugleich in ein rhythmisches Geschehen hineingenommen, in das Wandlungsgeschehen, das sich im Laufe des Jahren, im Laufe des Lebens und auch sonst in jedem schöpferischen Lebensprozeß vollzieht, wobei der Tod nicht als Ende, sondern als Wandlung gesehen wird.

Die Erd- und Körperverbundenheit hat eine Bezogenheit auf alles Gemeinschaftliche mit dem Ziel der Vermittlung, des Ausgleiches und der Rückführung in die Gemeinschaft.



Dem männlichen oberen Dreieck, das als Symbol des Göttlich-Himmlischen gilt, steht ein weibliches Dreieck gegenüber; aus beider Vereinigung entsteht die Vierheit, das Viereck, der Rombus, die Erde. Sowohl die weibliche dreifaltige Gottheit wie die männliche haben die Erde als Gegenüber – männliche wie weibliche Geistigkeit haben Körperlichkeit und Materie als ein zu gestaltendes Gegenüber.



Die Verbindung der Gegensätze wird in den Worten Jesu im Thomas Evangelium Logion 22 besonders deutlich: 'Wenn ihr die Zwei zu Eins macht, wenn ihr das Innere wie das Äußere macht und das Äußere wie das Innere, und das Obere wie das Untere, und wenn ihr das Männliche und das Weibliche zu einem Einzigen macht, so daß das Männliche nicht mehr männlich, das Weibliche nicht mehr weiblich ist, werdet ihr in das Reich eingehen'.

Klaus Koch





Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen
aber versuchen will ich ihn.

Rainer Maria Rilke







Literaturhinweis:

[1] 'Flug in die innere Freiheit' von Eileen Caddy
[2] 'Die Symbolik der Zahlen' von Rolf Müller
[3] 'Formen' von Ingrid Riedel







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